23. März 2017

Die Kanzlei als Ratgeber in der Ausgabe 01/2017 des regionalen Wirtschaftsmagazins:

Thema: Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer

Vom Probesterben zum Nachfolgekonzept

Am Anfang einer Nachfolgeberatung steht gewöhnlich die Simulation des Erbfalls – nur die Probe, nicht der tatsächliche Erbfall! „Was wäre wenn ...?“ Wer sich frühzeitig mit dieser Frage befasst und die Nachfolgeplanung nicht auf die lange Bank schiebt, zeigt Verantwortung – auch über seinen Tod hinaus. Seit der Erbschaftsteuerreform 2016 ist die Befassung mit dem Ernstfall notwendiger denn je. Wir geben Ihnen einige Gestaltungstipps.

1. Gestaltungsmöglichkeiten im  Rahmen der neuen Erbschaftsteuer:

Unternehmensbewertung  unter der Lupe 
Die Reform hat eine Änderung der Unternehmensbewertung im vereinfachten Ertragswertverfahren mit sich gebracht: Seit 01.01.2016 gilt der gesetzliche Kapitalisierungsfaktor von 13,75 (statt zuletzt  17,86). Dennoch ergeben sich daraus immer noch zu hohe Unternehmenswerte. 
Unser Tipp: Ein qualifiziertes Sachverständigen-Gutachten als Nachweis eines geringeren Wertes (übrigens: dies gilt  auch für vom Finanzamt zu hoch bewertetes  Immobilienvermögen). 

Verschonungsbedarf prüfen 
Bei Großerwerben über 26 Mio. Euro  wird ein Verschonungsabschlag und eine Verschonungsbedarfsprüfung eingeführt. Die Verschonungsbedarfsprüfung kann unter bestimmten Voraussetzungen für  Erwerber ohne verfügbares Vermögen zu  einem vollständigen Steuererlass führen  – trotz des Erwerbs eines Großbetriebes.
Unser Tipp: Von einer vorausschauenden  Gestaltung profitieren. 

Vorteil für Familienbetriebe  
Familiengeführte Unternehmen kommen in den Genuss einer neuen Förderung: 30 % Abschlag vom begünstigten Vermögen. Diese Begünstigung ist jedoch an strenge satzungsmäßige Bestimmungen  geknüpft.
Unser Tipp: Die Gesellschaftsverträge rechtzeitig neu gestalten, um keine Chance zu verpassen. 

Heilung von schädlichem Verwaltungsvermögen 
Im Falle des Erwerbs von Todes wegen, kann steuerschädliches Verwaltungsvermögen rückwirkend in begünstigtes Vermögen  umqualifiziert werden. Hierfür  muss die Investitionsklausel nach § 13b  Abs. 5 ErbStG n.F. greifen (wie bei der  6b-Rücklage).
Unser Tipp: Rechtzeitig einen  Investitionsplan verfassen.

2. Was Sie sonst noch wissen sollten:

Mittelbare Schenkungen von Mietwohngrundstücken können die Steuerbelastung senken (Ansatz mit nur 90 % ihres Wertes).

Die Güterstandsschaukel kann bei ungleicher Vermögensverteilung von Eheleuten  bereits zu deren Lebzeiten einen  steuerfreien Zugewinn ermöglichen und  so erbschaftsteuerliche Freibeträge für  Kinder und Enkel verdoppeln.
Unser Tipp:
Nach der Durchführung unbedingt auch das Testament anpassen! 

Thema Testamentsanpassung: Wann haben Sie das letzte Mal Ihr Testament an geänderte Verhältnisse angepasst? Schlimmer: Sie haben noch gar kein Testament?

Das so genannte Supervermächtnis ist  ein spezielles erbrechtliches Gestaltungsmodell, das geeignet sein kann, den Defiziten  des Berliner Testaments wirkungsvoll  zu begegnen. Beispielsweise kann es Pflichtteilsansprüche verhindern und erbschaftsteuerliche Freibeträge nutzbar machen. Jedoch wird es auch kritisch  kommentiert.
Unser Tipp: Lassen Sie sich  beraten. 

Den Nießbrauch an einer Eigentumswohnung  auf ein volljähriges Kind in  Ausbildung zu übertragen, kann sich für  Eltern rechnen. Damit reduzieren Sie Ihre  Unterhaltsverpflichtung, ohne den Kindergeldanspruch  zu verlieren. 

3. Aktuelles aus der Rechtsprechung: 
Geldtransaktionen vom Konto des Ehemanns  auf ein Konto der Ehefrau können  schenkungsteuerpflichtig sein (BFH  v. 29.06.2016). 

Der Erwerb einer Kunstsammlung kann  von der Schenkungsteuer befreit werden  (BFH v. 12.05.2016). 

Die zinslose Kreditgewährung an eine Lebensgefährtin  kann unter die Schenkungsteuer fallen (FG München v. 25.02.2016). 

Steuerberatungskosten für die Einkommensteuererklärung  können Nachlassverbindlichkeiten  sein, wenn der Erblasser  den Steuerberater beauftragt hat  (Ländererlass v. 11.12.2015).

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